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Migräne-OP

Migräne-OPWenn nichts mehr hilft und alle Therapieoptionen ausgereizt scheinen, zieht mancher Patient auch operative Therapieverfahren in Erwägung, wie z.B. Nervendurchtrennungen im Gesichtsbereich, Korrekturen von Verengungen (Dismorphien) im Bereich der Schädelbasis oder der Nasennebenhöhlen, Entfernung des Currogatormuskels, Entfernung von Zähnen oder Zahnfüllungen, Korrektur der Kieferstellung und - nicht ganz so dramatisch – Botoxspritzen als Therapie.

Sicher ist es gut, für alle Fälle noch einen Trumpf in der Hinterhand zu haben und je erfahrener der Therapeut in seinem Gebiet, desto besser. Etliche Behandler bieten vor dem eigentlichen Eingriff auch noch Vortestungen bezüglich eines möglichen Ansprechens auf die Maßnahme an. Dabei muss man sich aber dessen bewusst sein, dass zumindest 30% der akut aufgetretenen Besserungen auf dem Placeboeffekt beruhen.

Auch für Placeboeingriffe gilt natürlich: Je berühmter der Arzt, je länger die Wartezeit, je teurer und eindrucksvoller der Eingriff, desto besser das Ergebnis. Ergänzen könnte man noch: Je weiter entfernt vom Kopf die Maßnahme stattfindet, desto intensiver ist gleichzeitig die ablenkende Wirkung, da der Kopf dann für einige Zeit aus dem Brennpunkt der Aufmerksamkeit gerät.

Die mittelfristigen Therapieerfolge solcher Operationen sind meist sehr bescheiden, denn oft spielen andere Kopfschmerzauslöser weiterhin noch eine große Rolle. Diätfehler und Stress zum Beispiel lassen sich eben nicht durch eine Muskeldurchtrennung beseitigen!!!

Im Falle eines Scheiterns der OP oder bei Wundheilungsstörungen entsteht außerdem leicht ein neues massives Trauma im sowieso schon geschundenen Kopfbereich. Etliche Kopfschmerzpatienten haben ja auch HNO - Operationen in ihrer Vorgeschichte und wurden unter Umständen erst dadurch für Kopfschmerzen sensibilisiert!

Ich rate daher, von Ausnahmefällen abgesehen, von operativen Maßnahmen gegen Migräne ab! Bestimmt ist es vor einer Operation noch mal sinnvoll, andere leichter zu beeinflussende Kopfschmerzauslöser systematisch auf ihre Veränderbarkeit zu überprüfen. Als Hilfe hierzu kann die unter www.migraenekur.de dargestellte "Ursachengrafik" dienen, die Ihr unter dem Registerpunkt "Ursachen" findet.

Auch die Augen – Laser – Akupunktur der Karlsruher Augenklinik Höh betrachte ich in diesem Zusammenhang als Therapiemaßnahme, die zwar bei einzelnen Patienten wirken kann, in ihrem Wirkansatz aber der Komplexität der Kopfschmerzentwicklung bei den meisten Migränegeplagten nicht gerecht wird. Zitat aus dem Klinikprospekt: „Im Gegensatz zu den konservativen Behandlungsmethoden in vielen Schmerz- und Migränekliniken in Deutschland verzichtet das Karlsruher Migräne-Kopfschmerz-Zentrum der Augenklinik Höh vollkommen auf die Gabe von Medikamenten oder Ersatzpräparaten. Ebenso werden keine psychosomatischen oder psychiatrischen Behandlungen durchgeführt.

Die Kosten dieser nicht kassenüblichen Behandlung: 3 - 4 Stunden Untersuchung und Beratung sowie 15 Minuten Lasertherapie für 1500,- Euro faszinieren mich lediglich von der merkantilen Seite. Als zuweisender Arzt, der diese Behandlung empfiehlt, bekäme ich von der Klinik übrigens respektable 300,- Euro für 3 Beratungstermine mit standardisiertem Fragebogen. Der Nachbeobachtungszeitraum externer Patienten beträgt nach den Vorgaben des „Europäischen – Migräne - Kopfschmerz - Netzes“, das die Akquise begleitet, gerade einmal 3 – 4 Monate. So einfach, schnell und elegant kann eine erfolgreiche Kopfschmerztherapie also sein. – Kann.