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HBO Hyperbare Sauerstofftherapie

HBOEtliche ärztlich geleitete Druckkammerzentren empfehlen die hyperbare Sauerstofftherapie zur Akutbehandlung und zur Prophylaxe von Migräne. Dabei wird der Patient nach intensiver Untersuchung und Aufklärung in eine Überdruckkammer gebracht. Dort wird der Raumdruck auf das circa 2- fache des Normdrucks erhöht (wie bei einem Tauchgang in 10 m Tiefe) und der Patient bekommt über eine Maske Sauerstoff zum Atmen zugeleitet. Eine Sitzung zur Migränebehandlung dauert etwa eine Stunde.

Aufgrund einer dann auf das circa 20-fache des Normalen erhöhten Sauerstofflösung im Blut, soll es zu einer Engstellung der das Gehirn versorgenden Gefäße kommen, wodurch dann ein akuter Migräneanfall beendet werden kann. Im Verlauf des Migräneanfalls wird die Schmerzphase von einer Weitstellung der Hirnarterien begleitet.

Eine Engerstellung der Gehirnarterien entspricht beispielsweise auch der Wirkweise von Migränemedikamenten, wie den Triptanen oder den Ergotaminen. Eine andere, quasi nebenwirkungsfreie Methode, die Gehirngefäße eng zustellen, ist das Biofeedback. Hierbei können Patienten computerunterstützt lernen, diesen Effekt durch eine Art Autosuggestion zu erzielen.

Trotz etlicher eindrucksvoller Heilungserfolge weist die HBO jedoch auch einige Handicaps und Probleme auf:

  • Bei den spärlich gestreuten HBO-Zentren bundesweit wird sich kaum ein Patient im Anfall in unmittelbarer Nähe einer sofort einsetzbaren Druckkammer befinden.
  • Während eines Anfalls legen die meisten Patienten eher Wert auf eine ruhige, abgeschirmte Umgebung ohne starke äußere sensorische Reize. Die meisten Migränegeplagten vertragen während eines Anfalls keinen massiven Überdruck auf ihre Ohren!
  • Bisweilen kommt es unter der Überdruckbehandlung zu einer Trommelfellperforation. Diese ist zwar an sich nicht unbedingt bedrohlich, lästig und schmerzhaft ist sie aber allemal und dies erst recht für einen sowieso schon ständig auf den Kopf und auf mögliche Schmerzattacken achtenden Migränepatienten.
  • Die HBO ist keine Kassenleistung und muss darum privat gezahlt werden.
  • In keiner Studie zur Prophylaxe von Migräneattacken übertraf die HBO bisher signifikant die Erfolgsquote eines Placebos. Bemerkenswert ist, dass der Placeboeffekt in zahlreichen Untersuchungen zu verschiedenen Migränetherapien bei beachtlichen 30 Prozent liegt!

Die HBO hat ganz sicher zahlreiche wichtige und wertvolle Indikationen, gerade wenn es um die Behandlung verschiedener Formen von Durchblutungsstörungen geht. In der Migränebehandlung scheint sie jedoch nicht für jeden geeignet zu sein.