Therapiekonzept

Stress lass nach!

Von Susanne Niebergall

Stress ist ganz allgemein gesehen eine Aktivierungsreaktion. Eine Reaktion, die es ermöglichen soll, sich schnell auf wechselnde Lebensumstände einzustellen.

Im Alltag begegnen wir ständig Anforderungen, die andere oder wir selbst an uns stellen.

Zufriedenheit und Wohlbefinden stellen sich ein, wenn wir die Situation, in der wir uns befinden „im Griff“ haben, wenn wir die an uns gestellten Anforderungen bewältigen. Mit Stress ist dann zu rechnen, wenn uns die Anforderungen „über den Kopf wachsen“, wenn wir in unserem Handeln keine oder nur unzureichende Mittel und Wege kennen, diese Anforderungen zu bewältigen. Und wenn die bereitgestellte körperliche Energie nicht durch Handlung verbraucht wird.

Das Gleichgewicht zwischen An- und Entspannung, Aktivität und Ruhe ist oft gestört.

Stress ist individuell. Jeder reagiert anders und für jeden sind andere Faktoren stressauslösend. Die Stressdosis wird bestimmt durch:

  • die Häufigkeit
  • die Vielfalt
  • die Dauer
  • die Intensität
  • und die individuelle Bewertung der Faktoren.

Die Reaktion auf Stress äußert sich auf unterschiedlichen Ebenen:

  1. Die kognitive Ebene
    Die Wahrnehmung ist eingeengt auf die stressauslösende Situation. Gedanken wie z.B. „Das schaffe ich nie!“ lösen einen Teufelskreis aus. Es kann zu Konzentrationsstörungen kommen.
  2. Die emotionale Ebene
    Unter Streß kommen z.B. Gefühle von Angst, Verunsicherung, Nervosität oder auch Ärger und Wut auf.
  3. Die vegetativ-hormonelle Ebene
    Hier äußern sich Reaktionen z.B. in Verdauungsbeschwerden, Schlafstörungen oder Herz-Kreislauf-Beschwerden wie Herzklopfen oder Blutdruckschwankungen.
  4. Die muskuläre Ebene
    Es können sich z.B. allgemeine Verspanntheit, Ticks, Entspannungsunfähigkeit, Rücken- und Kopfschmerzen, sowie nervöse Gestik oder auch Stottern zeigen.

In Bezug auf Kopfschmerzen oder Migräne spielt der Streß noch eine weitere Rolle. Er kann direkt Einfluss auf die Schmerzqualität haben und damit verbunden auf das emotionale (Wohl-) Befinden und auf den Spannungszustand der Muskulatur.

Je besser man in stressauslösenden Situationen zurecht kommt, desto positiver ist die Wirkung auf die allgemeine Gesundheit.

So wie Stressreaktionen individuell sind, müssen auch Bewältigungsmöglichkeiten individuell angepaßt sein.

Stressbewältigung heißt:

  • Stressenergie auch positiv nutzen. Sie steigert, richtig dosiert, die Leistungsfähigkeit.
  • Stressanalyse: Was bereitet den Stress, welche Stressoren gibt es, wie reagiere ich in Belastungssituationen, welche persönlichen Bewältigungsmöglichkeiten sind vorhanden?
  • Ursache der Belastung verändern und vorhersehbare Belastung durch entsprechende eigene Vorbereitung mildern.
  • Die Rolle der eigenen Gedanken und Vorstellungen kennenlernen. Welchen Einfluss haben Gedanken und Einstellungen auf das eigene Handeln?
  • Spannungs- und Entspannungszustände in ein wohl dosiertes Verhältnis bringen.
  • Techniken lernen zur Entspannung, zum Abschalten vom Alltag, um sich etwas Gutes zu tun. Zum Beispiel: Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training, Yoga, Feldenkrais, sportliche Betätigung, Wandern, Hobbys, etc.
  • Gezielte Problemlösestrategien einsetzen.
  • Zeitmanagement betreiben.
  • Fertigkeiten aufbauen, z.B. Kommunikationstechniken, Arbeitsmethodik.
  • Soziale Kontakte pflegen. Sie geben Rückhalt.

Progressive Muskelrelaxation nach Jacobsen (PMR)

Die progressive Muskelentspannung wurde 1934 von Edmund Jacobsen entwickelt. Es ist ein einfach zu erlernendes und zugleich wirkungsvolles Verfahren zur Entspannung.

In einer festgelegten Reihenfolge werden nach und nach verschiedene Muskeln und Muskelgruppen des ganzen Körpers angespannt und dann bewusst losgelassen bzw. entspannt.

Der Spannungsgrad der Muskulatur sinkt nach dem aktiven Anspannen unter das Anfangsniveau. Die Muskulatur entspannt sich, wird lockerer.

Der Übende nimmt möglichst genau wahr, wie sich die Anspannung und die nachfolgende Entspannung anfühlt.

Die PMR dient also auch zur Wahrnehmungsschulung für Spannungsunterschiede und Spannungszustände im Körper. Der Übende lernt, Anspannungen und beginnende Verspannungen frühzeitig wahrzunehmen und kann dann entsprechend mit Entspannung darauf reagieren.

Die PMR wird angewandt, um ganz konkret Muskulatur zu entspannen und so verspannungsbedingte Schmerzen zu verringern. Sie ist aber auch eine sinnvolle Möglichkeit der Stressbewältigung und der Reduzierung von Angst, da sie positiv auf das vegetative Nervensystem Einfluss nimmt.

Da Verspannung, Stress oder Angst mit eine Rolle als Auslöser von Kopfschmerzen spielen, liegt hier ein weiterer Ansatzpunkt der PMR.