Therapiekonzept

Migräne und Ernährung

Von Andrea Schepp

Grundlage der Ernährungsempfehlungen für jeden Migränepatienten sollten die „10 Regeln für vollwertiges Essen und Trinken“ der deutschen Gesellschaft für Ernährung sein, denn diese sichern eine ausreichende Zufuhr aller lebensnotwendigen Nährstoffe:

  1. Vielseitig essen
  2. Getreideprodukte - mehrmals am Tag und reichlich Kartoffeln
  3. Gemüse und Obst - Nimm "5 mal" am Tag...
  4. Täglich Milch und Milchprodukte, einmal in der Woche Fisch - Fleisch, Wurstwaren sowie Eier in Maßen
  5. Wenig Fett und fettreiche Lebensmittel
  6. Zucker und Salz in Maßen
  7. Reichlich Flüssigkeit
  8. Schmackhaft und schonend zubereiten
  9. Nehmen Sie sich Zeit, genießen Sie Ihr Essen
  10. Achten Sie auf Ihr Wunschgewicht und bleiben Sie in Bewegung

© 2000 Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V.

Neben vielen anderen Faktoren können auch Lebensmittel bei Betroffenen eine Schmerzattacke auslösen. Es ist jedoch nicht sinnvoll, wenn Migränekranke generell Nahrungsmittel meiden. Vielmehr kommt es darauf an, mit Hilfe eines Kopfschmerztagebuches im Einzelfall herauszufinden, welches Lebensmittel in welcher Situation Kopfschmerzen auslösen kann. Eine feststehende Diät bei Migräne gibt es nicht.

Diese Ernährungsfaktoren können Auslöser einer Migräneattacke sein:

  • Biogene Amine (z.B in gereiften Wurst- und Käsesorten, Wein, Leber,...)
  • Hypoglykämien (Unterzuckerungen)
  • Flüssigkeitsmangel
  • Kältereiz
  • Koffein
  • Natriummonoglutamat (E621)
  • Alkohol

Die Forschung hat in den vergangenen Jahren Hinweise auf hemmende Faktoren in der Schmerzentstehung bzw. –empfindung entdeckt.

Diese Ernährungsfaktoren können Häufigkeit und Intensität von Migräneattacken reduzieren:

  • Reichlich Omega-3-Fettsäuren – wenig Arachidonsäure
    (wenig: Fleisch, Wurst und Eier; reichlich: fettarme Milchprodukte, pflanzliche Lebensmittel und Fisch; Koch- und Bratfette: Raps-, Soja- und Leinöl)
  • Serotonin kann im Gehirn die persönliche Schmerzschwelle erhöhen Serotonin wird aus der Aminosäure Tryptophan gebildet. Tryptophanreich: Schnittkäse, Hülsenfrüchte z.B. Sojaprodukte, Kaltwasserfische, Fleisch/Wurst, Weizenkeime; allerdings: bei manchen Menschen wirken Käse bzw. Wurst als Schmerzauslöser
  • Verschieben des Säuren-Basenverhältnisses zugunsten der Basen
    Basenbildend: Kartoffeln, Obst/ Gemüse, Milch und Milchprodukte, Sojaprodukte Säurebildend: Zucker, Weißmehlprodukte, Bohnenkaffee, Schwarztee, alkoholische und kohlensäurehaltige Getränke, Fleisch, Eier, Käse, Quark

Wenn es um Essen in Bezug auf Gesundheit geht, engt sich unser Blick oft ein. Doch Essen ist nicht nur Zufuhr von gewünschten und unerwünschten Inhaltsstoffen. Beim Essen werden nahezu alle unsere Sinne angeregt. Deshalb sollte bei allem Bemühen um gesundes Essen und Beobachten, was Schmerzattacken auslösen oder vermeiden kann, nicht vergessen werden:

„Mit Freude und Ruhe bewusst genießen ist besser und gesünder als ständig aus Angst vor Krankheiten zu verzichten!“

Selbst wenn der Alltag noch so hektisch ist: Genießen Sie wenigstens eine Mahlzeit am Tag in Ruhe. Schon der Anblick eines bunten italienischen Salates mit seinen frischen Zutaten auf einem hübsch gedeckten Tisch macht gute Laune. Wenn Ihnen dann noch der Duft von ofenfrischem Baguette in die Nase steigt, sind die besten Voraussetzungen für eine genussvolle, entspannende Mahlzeit gegeben. Genießen Sie ruhig öfters mit allen Sinnen.

Quellen: „Schach dem Schmerz – Die richtige Ernährung gegen chronische Schmerzen“, Prof. Dr. Michel Hamm,. Cornelia Ludwig, Umschau Verlag, ISBN 3-8295-7153-4 „Die Gesundheitsküche: Kopfschmerzen & Migräne“ , Ricky Ostrov, Umschau Verlag, ISBN 3-8295-7123-2